Ein Mitreisender in meinem Lebenszug – Akzeptanz und Diabetes!

Ein Mitreisender in meinem Lebenszug – Akzeptanz und Diabetes!

Kennst du das? Stell dir dein Leben vor wie einen Zug. Du sitzt vorne im Triebwagen und lenkst ihn. Es steigen Menschen ein – sie haben Gepäck dabei oder auch nicht, die einen sind laut, die anderen sind leise, einige steigen sehr schnell wieder aus und einige fahren über einen sehr langen Zeitraum mit. Aber eines ist ganz klar –  es ist dein Zug und so lange du am Steuer sitzt, entscheidest du, wohin er fährt, wie schnell er dabei ist und welche grundsätzlichen Regeln es gibt.

Vor kurzem war ich auf einer Lesung und die Autorin brachte diesen Vergleich mit dem Zug. Es hat mich zum Denken angeregt, welchen Platz eigentlich mein Diabetes in meinem Zug hat.

Diabetes akzeptieren!

Schnell bin ich darauf gekommen, dass es etwas mit Akzeptanz zu tun hat, welchen Platz ich ihm gebe. Ich kann ihn nicht aus meinem Zug rausschmeißen, denn er hat eine Fahrkarte. Wo er sie her hat? Keine Ahnung.

Finger weg vom Steuerknüppel!

Mein Diabetes ist nicht in ein normales Abteil eingestiegen, sondern er hat es sich gleich bei mir im Triebwagen gemütlich gemacht. Insgeheim hätte er sich wohl am liebsten auf meinen Platz gesetzt und das Steuer übernommen. Ich war so sauer! Was bildet er sich ein? Finger weg vom Steuerknüppel, denn das ist mein Leben!

Die lange Zeit im Gepäckwagen!

Da ich mir lange Zeit nicht anders zu helfen wusste, wie ich mit diesem penetranten Mitreisenden fertig werden soll, habe ich ihn in den Gepäckwagen verfrachtet. Das hat ihm nicht besonders gefallen, denn dort war es dunkel und rumpelig. Vergessene Gepäckstücke lagen zwischen den Taschen und Koffern, der aktuellen Fahrgäste. Es gab keine anderen Fahrgäste im Gepäcwagen, mit denen er sich unterhalten konnte. Er ist eher der gesellige Typ. Schnell wurde ihm langweilig. Er fing an, Taschen und Koffer aus dem Wagen zu schmeißen sobald er eine Gelegenheit dazu fand. Die großen Koffer haben den Zug ausgebremst. Ab und zu war ein Stop mitten auf der Strecke notwendig. Die anderen Fahrgäste haben sich natürlich auch beschwert, doch ich konnte diesen Querulanten nicht so einfach vor die Tür setzen. Da ist dann guter Rat teuer!

Sollen wir reden?

Ich habe gemerkt, dass es so nicht weiter geht. Die Situation war so zermürbend. Hin- und hergerissen zwischen Akzeptanz und Ignoranz. Es ist ein handfester Konflikt entstanden. Ich hatte wenig Hoffnung, dass wir das alleine hinbekommen. Den ersten Schritt mussten wir zwar schon selber aufeinander zugehen, mit der Bereitschaft uns gegenseitig zuzuhören und die Erwartungen des anderen anzuhören. Doch es waren mittlerweile auch ein paar andere Fahrgäste eingestiegen, die Erfahrung mit solchen Konflikten und viele gute Ideen und Handwerkszeug in ihrem Gepäck dabei hatten. Die Lösung für mich, den Diabetes zu akzeptieren, war es, mich mit meinem Diabetes auseinanderzusetzen, mich persönlich weiterzuentwickeln und die Verantwortung für mich und mein Handeln zu übernehmen.

Ein Platz in der zweiten Klasse!

Ich habe meinem Diabetes eine Dauerkarte in der 2. Klasse versprochen. Das ist unser kleinster gemeinsamer Nenner, damit es uns beiden gut geht. Natürlich gibt es noch Luft nach oben. Doch so haben wir eine solide Basis geschaffen und einen Kompromiss geschlossen. Besonders mag er diesen Tisch mit den vier Plätzen, denn seid einiger Zeit gibt es noch eine ganze Menge anderer Fahrgäste mit Diabetes in meinem Zug. Ihr Lachen und ihre Ausgelassenheit höre ich manchmal ganz bis nach vorne in den Triebwagen. Ich muss dann selber schmunzeln und bin erleichtert, wie sich alles entwickelt hat.

Wellness in der 1. Klasse!

Aber es gibt auch Zeiten, da braucht mein Diabetes etwas mehr Aufmerksamkeit. Wenn es bei mir stressig ist, egal ob beruflich oder privat, muss ich aufpassen, dass ich ihn nicht wieder in den Gepäckwagen abschiebe, denn wir haben ja einen Deal miteinander. Glücklicherweise merke ich es heute meistens recht schnell, wenn sich wieder solche Verhaltensweisen einschleichen. Ich spendiere dann eine extra Runde in der ersten Klasse. Die Sitze sind komfortabler und die Getränke werden an den Platz gebracht. Da er auch ein Genießer-Typ ist wie ich, gefällt ihm diese Sonderbehandlung in anstrengenden Zeiten. Wenn alles wieder in geordneten Bahnen läuft ist er aber auch sehr zufrieden in der 2. Klasse, denn er weiß, dass es für mich auch eine Anstrengung ist mit der Sonderbehandlung.

Mein Diabetes wird in naher Zukunft nicht aus meinem Lebenszug aussteigen. Wie es derzeit aussieht, wird er höchstwahrscheinlich für immer bei mir bleiben. Damit hadere ich mittlerweile nicht mehr, denn er hat seinen Platz in meinem Leben gefunden.

Ich möchte dich inspirieren, mal darüber nachzudenken, in welchem Abteil dein Diabetes sitzt und wie es euch beiden damit geht.

Ina Manthey
Typ-1, Coach und Mediatorin für Menschen mit Diabetes
zufrieden und stark im Alltag mit Diabetes

 

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