Früher war alles besser – Warum das für Menschen mit Diabetes nicht zutrifft!

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„Früher war alles besser“ leider mittlerweile ein geflügeltes Wort, das oft in Jammerei mündet. Als Diabetikerin kann ich dem auf jeden Fall nicht zustimmen. Wenn schon Diabetes dann doch bitte heute und dabei habe ich persönlich noch nicht einmal alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft.

Natürlich hätte ich – wie wahrscheinlich alle Menschen mit Diabetes – am liebsten keinen Diabetes. Doch möchte ich heute einen persönlichen Rückblick wagen. Ich mache das aus purem Eigennutz, denn mal drüber nachzudenken, was sich die letzten Jahre zum Positiven verändert hat, motiviert mich. Es ändert meinen Blickwinkel und ich sehe, die Möglichkeiten und Freiheiten, die ich habe und nutzen kann.

Für alle, die frisch dabei sind, ist es natürlich schwer nachzuvollziehen und es hat auch nicht unbedingt, eine positive Wirkung, denn ihr habt diese Erleichterung bisher nicht erlebt und im Vordergrund steht bei euch wahrscheinlich die Einschränkung durch die neue Lebenssituation. Also eher eine Zeitreise für die alten Hasen, die schon länger dabei sind.

Das 1×1 der Einwegspritze 
In meiner ersten Diabetes-Schulung vor ca. 25 Jahren lernte ich einen Mann kennen, der seinen Diabetes bereits über 20 Jahre hatte. Für mich damals unvollstellbar. Mir wurde zwar gesagt, ich werde den Diabetes nicht mehr los, aber so richtig realisiert hatte ich es noch nicht. Außerdem erzählte er von Spritzen, die er auskochen mußte, um sie wieder zu verwenden. Ich war erleichert, dass mir diese Prozedur erspart blieb. Schließlich gabe es ja die Einwegspritze. In der Praxis und in der Öffentlichkeit allerdings auch eher untauglich wie ich sehr schnell feststellen mußte. Irritierte Blicke, was ich denn da tue bis hin zu witzig gemeinten Sprüchen, die etwas mit Drogensucht zu tun hatten. Heute bin ich relativ schlagfertig, damals leider noch nicht.

Die Schwarze Liste – wer kennt sie noch?
Glücklicherweise auch ein Relikt aus vergangenen Zeiten aber durchaus prägend in den ersten Jahren meines Diabetikerinnen-Daseins. Ich war schon immer eine Süße und irgendwie stand auf dieser Liste alles drauf, was ich als „Lecker“ klassifiziert hatte. Darauf sollte ich nun mein Leben lang verzichten? Ich habe hart mit mir gekämpft und oft verloren. Heute kann ich ohne schlechtes Gewissen meine geliebte Schokolade geniessen, denn diese Liste gibt es nicht mehr und glücklicherweise wurden auch die eher scheußlichen Diät-Pralinen mit dem prägenden Aufdruck „für Diabetiker geeignet“ aus den Regalen verbannt.

Mein erster Pen und die Intensivierte Insulintherapie (ICT)
Mein erster Pen war zwar noch nicht so filigran, wie es die heutigen Modelle sind, aber wie unauffällig ich damit Spritzen konnte. Wow – eine echte Erleichterung für mich. Glücklicherweise wurde ich dann auch kurz darauf auf ICT umgestellt. Die Zeiten des täglichen zweiten Frühstücks, der Kaffeepause und der Spätmahlzeit waren vorbei. Bei Unterzucker kommt das Gefühl ab und zu wieder, keinen Hunger zu haben und trotzdem was essen zu müssen. Es nervt!

Adé – Spritz-Ess-Abstand (SEA) und Basal nur noch 1x am Tag
Mein persönliches Highlight war die Weiterentwicklung der Insuline. Bereits von Beginn an hat mich der SEA genervt. Wenn ich Hunger habe, habe ich Hunger und ich wollte dann nicht noch 15 Minuten (und bei hohen Werten noch länger) warten. Auch die gut gemeinte Ansage meiner Mutter „in 15 Minuten gibt es Essen“ nervte mich immer mehr im Laufe der Zeit. Heute nutze ich den SEA ab und zu, um etwas besser zu justieren aber eigentlich ist es eher, spritzen, essen, glücklich sein. Ähnlich geht es mir mit meinem Basal, das ich durch die Neuentwicklungen der letzten Jahre nur noch einmal täglich spritzen muß.


Die Zukunft für mich
Der Fortschritt ist bereits weiter, es gibt viele Menschen mit Diabetes, die eine Insulin-Punpe tragen und sie nicht mehr hergeben wollen, es gibt kontinuierliche Blutzuckermessgeräte und es wird fleißig geforscht. Ich lese in den verschiedenen Foren, welche Erleichterungen durch diese neuen Techniken möglich sind. Vielleicht ist das auch mein nächster Schritt, ich bin noch am überlegen. Für den Moment habe ich für mich die ideale Struktur für meinen Alltag und mein Leben gefunden, die mich motiviert und unterstützt. Ändert sich meine Lebenssituation, mache ich mich auch hier auf die Suche, nach neuen Wegen. Denn für mich steht im Vordergrund, zufrieden und stark im Alltag mit meinem Diabetes zu sein.

Ich möchte Mut machen und motivieren, auf sich zu achten, die Möglichkeiten, die da sind, zu nutzen, am Ball zu bleiben, nicht zu hart zu sich selbst zu sein und jeden Tag aufs neue zu starten, auch wenn es mal schief geht. Vielleicht trägt mein kleiner Rückblick dazu bei.

Was ist bei euch heute besser? Wagt doch mal einen persönlichen Rückblick. Ich freue mich auf eure Geschichten und Anekdoten.

Ina Manthey
Coach für Menschen mit Diabetes

Bildquelle Zeichnung: Diese Abbildung wurde inspiriert durch die bikablo®Publikationen, www.bikablo.com

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1 comment on “Früher war alles besser – Warum das für Menschen mit Diabetes nicht zutrifft!”

  1. Wolfgang Spahlholz Antworten

    Ich habe meinen Zucker (mit 6 bekommen) heuer seit 41 Jahre und habe auch als Kind das Auskochen der Spritzen und der Nadeln, die jenseits der Microfine-Dimensionen waren, miterlebt. Und die Medizin geht weiter voran und erleichtert uns das Leben.- Danke für die Weiterentwicklungen!!

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